Gussasphaltestriche als Untergrund für Bodenbeläge

Gussasphaltestriche sind heute im Neubau zu etwa 3 % der Estrichflächen beteiligt. Besonders im Schnellbau und bei erdreichberührten Konstruktionen haben sie unerreichte Vorzüge. Doch auch bei der Renovierung stellen Gussasphaltestriche einen hohen Anteil, so dass eine ausführliche Behandlung dieses Themas für den Fachverleger interessant ist.

Eine Verkürzung der Bauzeit ist oftmals das ausschlaggebende Argument für den Einsatz von Gussasphaltestrichen, da von dem Werkstoff bereits nach der Abkühlung die Endfestigkeit erreicht wird. Darüber hinaus wirkt er (aufgrund seiner geringen Wärmeleitfähigkeit) als wärmedämmend und auch als schalldämmend.

Gussasphaltestriche sind thermoplastische Baustoffe, die aus Steinmehl, Sand, Splitt und dem Bindemittel Bitumen hergestellt werden. Während des Einbringens sind es heiße, dickflüssige Asphaltmassen, deren Mineralgerüst nach dem Prinzip der Hohlraumminimierung aufgebaut ist und Mineralanteile von 0 bis 11 mm Korngröße enthält- jeweils in Abhängigkeit von der vorgesehenen Dicke der Gussasphaltschicht. Bindemittel und Mineralstoffgemisch sind so aufeinander abgestimmt, dass die Hohlräume des Minerals nicht nur mit Bitumen ausgefüllt werden, sondern dass ein geringer, für die Verarbeitbarkeit erforderlicher Bindemittelüberschuss vorhanden ist.

Ein genormter Baustoff

Für die Zusammensetzung von Gussasphaltestrichen gilt DIN 18 354 "Asphaltbelagarbeiten", für die Konstruktion und Festigkeit DIN 18 560, Teil 1 bis 4, "Estriche im Bauwesen"

Einem Füllstoffgemisch von Steinmehl/Mittelsand/Splitt in der Größenordnung 1 : 2 : 2 wird etwa 7 bis 10 % Bitumen in heißem Zustand gegeben, homogen gemischt und bei etwa 250° C flüssig an der Baustelle eingebracht. Der noch heiße Gussasphaltestrich wird mit feinem Sand abgekehrt. Dieser Sand ist der Haftvermittler für nachfolgende Bodenbelagarbeiten.

Bei Renovierungsarbeiten kommt es hin und wieder vor, dass glatt glänzende, nicht mit Sand abgeriebene Gussasphaltestrich-Oberflächen belegt werden sollen. In solchen Fällen sind jedoch besondere Maßnahmen erforderlich.

Gussasphalt - ein Werkstoff mit besonderen Eigenschaften

Die Eigenschaften von Gussasphaltestrichen sind anders wie die der bekannten zement- oder calziumsulfatgebundenen Estriche. Hierzu gehört die Eigenschaft, hohen statischen Lasten nicht gleichartig entgegenwirken zu können. Des weiteren führt seine Thermoplastizität dazu, von sich ausdehnenden Bodenbelägen - wie z. B. Parkett während des Quellvorgangs -ebenfalls ausgedehnt zu werden. Dies führt bei Sanierungsarbeiten manchmal dazu, dass einfache Raumdehnungsfugen für Parkett auf Gussasphaltestrich nicht mehr breit genug sind und vor Verlegen des Parketts ausgeschnitten werden müssen.

Weitere unterschiedliche, für den Verleger wichtige Eigenschaften sind die fehlende Saugfähigkeit des Gussasphaltestriches, seine Lösungsmittelempfindlichkeit und seine hohe elektrostatische Isolierwirkung.

Im Renovierungsbereich werden Gussasphaltestriche z.B. mit der Epoxi-Haftgrundierung UZIN-PE 440 vorgestrichen.

Vor dem Verlegen:
Prüfung des Estrichs

Vor Beginn der Bodenbelagarbeiten hat der Handwerker den Gussasphaltestrich zu prüfen. Während Feuchtigkeitsmessungen bei diesem Estrich entfallen - der Estrich ist nach Abkühlung verlegereif - sind die anderen Prüfungen wie Ebenheit, Oberflächenfestigkeit und Breite der Raumdehnungsfugen sehr sorgfältig durchzuführen. Dies gilt besonders bei Renovierungsarbeiten, wenn die einzelnen Schritte der Bodenbelagarbeiten vom Planer nicht in Form von Leistungsverzeichnissen festgelegt wurden.

Die Prüfung der Ebenheit geschieht nach DIN 18202, Zeile 3, vorzugsweise mit einer 3 Meter langen Richtlatte. Auf einen Meter Kantenlänge sollten 4 Millimeter Höhe nicht überschritten werden.

Eine weitere Prüfung hat auf den Zustand der Oberflächenfestigkeit zu erfolgen. Möglicherweise vorhandene instabile Klebstoff- und Spachtelmassenschichten sind weitgehend mittels Schleifmaschine zu entfernen. Die Prüfung des Resteindruckes liegt nicht im Verantwortungsbereich des Bodenlegers!

Nicht unerwähnt bleiben sollen die Prüfung über möglicherweise vorhandene Verschmutzungen der Gussasphaltoberfläche, die Höhenlage zu benachbarten Bauteilen, kraftschlüssiges Schließen von Rissen und das Behandeln von Fugen. Auf ausreichend breite Raumdehnungsfugen bei Verlegen von Parkett auf Gussasphaltestrichen wird nochmals hingewiesen. Natürlich müssen auch die raumklimatischen Bedingungen mit Raumtemperaturen um +18° C und Luftfeuchtigkeiten unter 75 % in Ordnung sein. Sind alle diese Prüfungen erfolgt, mögliche Mängel beseitigt, kann mit den eigentlichen Bodenlegearbeiten begonnen werden.

Auf Gussasphaltestrichen wird die Nivelliermasse UZIN-NC 170- zur Erhöhung der Verformbarkeit- mit einer Mischung aus Wasser und Mörtelvergütung UZIN-PE 520 angerührt (25 kg Pulver mit 5 l Wasser und 1,5 l UZIN-PE- 520).

Die Beschaffenheit bestimmt den Systemaufbau

Abhängig davon, ob es sich um normgerechte, neue, abgequarzte Gussasphaltestriche oder um alte, oberflächlich sehr unterschiedliche Gussasphaltestriche handelt, müssen verschiedene Systemaufbauten gewählt und realisiert werden.

Gussasphaltestriche werden mit der Mörtelvergütung UZIN-PE 520 vergüteten Nivelliermasse UZIN-NC 170 ausgeglichen.

Beginnen wir zunächst mit dem normalen Fall, einem neuen abgequarzten Gussasphaltestrich. Grundsätzlich sollte die Oberfläche mit einer spannungsarmen, hochfesten und kunstharzvergüteten Zementspachtelmasse in dünner Schicht geglättet werden. Sind wegen starker Unebenheiten höhere Schichtdicken auszugleichen, sind besondere Maßnahmen einzuplanen. Bei gleichzeitig zu erwartenden hohen Temperaturwechseln und hohen Seitenlängen der Räume kann durchaus der Einsatz elastischer, selbstverlaufender 2-K-Polyurethan-Spachtelmassen notwendig sein. Neue, abgequarzte Gussasphaltestriche können direkt ohne Grundierung mit zementären Spachtelmassen geglättet werden. Vor Verlegen dünner Kunststoffbeläge ist die Spachtelmasse mit einem 60er Papier fein zu schleifen und der Schleifstaub abzusaugen.

Beim Kleben der Bodenbeläge auf dünn gespachtelte Gussasphaltestriche ist, abhängig von der Durchlässigkeit der Beläge und angepasst an die geringere Saugfähigkeit des Unterbodens, meist eine geringfügig höhere Ablüftezeit einzuhalten. Details können dem Systemaufbau Abbildung 1 entnommen werden.

Bei alten Gussasphaltestrichen ist die Arbeitsweise geringfügig verändert. Die Altbeläge werden abgezogen und verbleibende, schwach haftende Klebstoff- und Spachtelmassenreste mittels Schleifmaschine weitestgehend entfernt. Danach wird die Oberfläche mit einer filmbildenden Dispersionsgrundierung in dünner Schicht vorgestrichen, um nach kurzer Trockenzeit (etwa 2 Stunden) den Gussasphaltestrich mit einer kunstharzvergüteten, spannungsarmen Zementspachtelmasse zu glätten. Sollte es sich bei den Klebstoffresten um wasserlösliche Sulfitablaugeklebstoffe handeln, ist statt mit einem wässrigen Filmbildner mit einer lösemittelfreien Epoxidharz-Grundierung vorzustreichen. Sind durch massive mechanische Vorbehandlungsverfahren, wie z. B. intensives Fräsen, die Festigkeiten des Gussasphaltestriches zweifelhaft, müssen elastische 2-K-Polyurethan-Spachtelmassen eingesetzt werden. Details dieser Renovierungsversion können den Abbildungen 5 und 6 entnommen werden.

Ob neuer Gussasphaltestrich oder Renovierung - die Industrie bietet heute Spezialwerkstoffe an, um den Besonderheiten dieses thermoplastischen Unterbodens zu entsprechen.

Weitere bitumengebundene Untergründe, wie zum Beispiel Stampfasphaltplatten, Asphaltfeinbeton und Kaltbitumenestrich erfordern anderes Fachwissen. Über diese Varianten wird in weiteren Folgen unserer Reihe "Technisches Wissen" zu berichten sein.